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Internationales Frauen-Hallenfußball-Turnier
um den Pokal der Sparkasse Bielefeld
14. und 15. Januar 2017

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KRC Genk

Der Spruch wird im Allgemeinen einem Gallier zugeschrieben, einem korpulenten Gallier, der tagein, tagaus mit freiem Oberkörper durchs Leben geht. Das nur zur besseren Einordnung. »Die spinnen, die Römer!« lautet der Spruch. Doch könnte sich niemand beschweren, wenn er ihn auch auf die Belgier angewandt hätte. Jedenfalls gibt es im heutigen Belgien sogar Buchtitel, die genau so lauten. Zumindest findet der Betrachter dieses Landes von außen immer wieder Indizien dafür, dass dieser Ausspruch durchaus einen gewissen wahren Kern in sich trägt – und das bestätigen auch so manche Belgier. Manches in Belgien ist einfach kurios, anders als woanders.

Nehmen wir den Frauenfußball. Mal abgesehen von der Tatsache, dass der belgische Fußballverband vor nicht einmal zehn Jahren etwa eineinhalb Jahre lang keine Frauen-Nationalmannschaft hatte – weil es keine Nationaltrainerin mehr gab (oder war es umgekehrt?). Okay, mal abgesehen davon, schlummert im belgischen Frauenfußball ein großes Potential. Weil es ganz viele unterschiedliche Spielerinnentypen gibt. Viele Jahre lang war Standard de Liège der Vorzeigeklub im belgischen Frauenfußball, ohne jedoch international mithalten zu können. Inzwischen wollen andere es besser machen. Im vergangenen Jahr war es »Weltklasse«-Teilnehmer RSC Anderlecht. Dessen Ziel war die Champions League-Teilnahme – national heißt das: der Meistertitel. Nach der Ligasaison sah das auch so aus. Als Tabellenführer ging der RSC mit Punktevorsprung in die Meisterrunde der besten vier – und holte keinen einzigen Sieg mehr. Meister wurde wieder einmal Standard. In der Champions League scheiterte der Meister diesmal aber sogar schon in der Qualifikation – nicht mal für die erste Runde reichte es. Warum? Weil Standard im Sommer etliche Leistungsträgerinnen verlor und mit einem neuen Trainer startete. Ähnliches passierte auch in Anderlecht – und noch Verrückteres beim Pokalsieger und Vizemeister, dem Lierse SK. Der wurde nämlich im Sommer – trotz seines aktuellen Erfolges – einfach mal aufgelöst…

Belgiens Nationalmannschaft hat sich parallel dazu erstmals für eine Frauenfußball-Europameisterschaft qualifiziert, tritt in einer Gruppe mit Norwegen, den Niederlanden und Dänemark an – zweifelsohne die am ausgeglichenst besetzte Gruppe. Belgien gilt da zwar als Außenseiter, bezwang den Gastgeber und Erzrivalen Niederlande aber gerade erst im November im Testspiel mit 3:2.

Im belgischen Vereinsfußball gibt es zurzeit keine echte Nummer eins mehr. Zu Standard und Anderlecht haben sich jetzt auch die ebenfalls mit Nationalspielerinnen gespickten Teams von AA Gent und KRC Genk gesellt.

Der Koninklijke Racing Club Genk (sprich: Chenk) ist ein Verein aus der Provinz Limburg, gar nicht so weit von Aachen entfernt. Ein Klub, der im Herrenfußball schon für Furore gesorgt hat, dreimal Belgischer Meister wurde, zuletzt 2011, dazu 2013 noch Belgischer Pokalsieger. Sieben Jahre lang spielte ein gewisser Kevin De Bruyne für den Verein, der 1988 aus einer Fusion von THOR Waterschei und KFC Winterslag entstand. Seit der Fusion hat der Klub übrigens schon vier verschiedene Vereinslogos gehabt, das aktuelle erst seit Sommer 2016 – Belgien eben.

Die Frauenfußballabteilung ist ihm gewissermaßen zugelaufen. Gegründet 1971 als Hewian Girls Lanaken – in einem kleinen belgischen Ort, der direkt ans niederländische Maastricht grenzt. Daraus wurde dann 2007 DV Lanaken und nach einer Fusion 2013 der DVL Zonhoven – 2015 dann die erneute Umbenennung in Ladies Genk und schließlich 2016 der Übertritt zum Herrenklub KRC Genk. Eine gewisse Eigenständigkeit bleibt aber, und deswegen nennen sich die Frauen auch gern weiterhin »Ladies« als Anhängsel. Wie gesagt, Belgier eben…

Die Stars:
Momentan gehören zwei Akteurinnen zum engeren Kreis der belgischen Nationalmannschaft: Mittelfeldspielerin Lien Mermans, die vom aufgelösten Pokalsieger und Vizemeister Lierse SK nach Genk wechselte, und Torhüterin Sofie van Houtven, die schon bei mehreren belgischen Spitzenklubs unter Vertrag stand. Übrigens auch die zweite Torhüterin Chloe Bellavia war schon mit der Nationalmannschaft unterwegs, wenn auch noch ohne Länderspiel-Einsatz. Internationale Erfahrungen haben aber auch die ehemalige Anderlechter Spielerin Kelly Paulus, Riete Loos und Kim Verbist. Stürmerin Sylke Calleeuw ging in der vergangenen Saison noch für den niederländischen Erstligisten PSV/FC Eindhoven auf Torejagd. Kurzum, der KRC Genk ist ein neu zusammengestelltes Team mit vielen Talenten und Potenzial nach oben. Einige Spielerinnen haben auch bereits Erfahrungen in der Champions League gesammelt, so zum Beispiel Ex-Nationalspielerin Lore Vanschoenwinkel (mit Sint Truidense VV) und Melanie Mignon (mit Standard de Liège).

Größter Erfolg:
Als Ladies Genk Sechster der belgischen Super-League 2016 (Fünfter nach der Ligarunde), als KRC Genk ist es die erste Saison.

Turnierbilanz in Jöllenbeck:
Der KRC Genk tritt zum ersten Mal beim »Weltklasse«-Turnier an. In Sachen Hallenfußball ist er aber beileibe kein Exot, denn seit vielen Jahren veranstaltet sein Mutterklub DVL Zonhoven ein eigenes Hallenturnier, an dem schon viele belgische Topklubs teilgenommen haben. Trotz der hochklassigen Konkurrenz in Jöllenbeck gibt sich KRC-Trainer Luk Verstraeten zuversichtlich und kämpferisch zugleich: »Meine Mannschaft hat noch nie mehr als zweimal hintereinander verloren, denn dann ziehe ich mein Jackett aus und dann…« Tja, man darf gespannt sein.