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Internationales Frauen-Hallenfußball-Turnier
um den Pokal der Sparkasse Bielefeld
14. und 15. Januar 2017

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SGS Essen


Es gab mal einen Hörfunk-Sportmoderator, der pflegte bei Trainerwechseln stets zu sagen: »Neue Besen kehren gut.« Das war nicht als Frage formuliert, sondern als Feststellung, basierend auf Erfahrungen im Haushalt. Beim Fußball-Bundesligisten SGS Essen muss man das auch gar nicht hinterfragen. Aus sportlichen Gründen wäre ein Trainerwechsel nicht nötig gewesen. Zu gut hat sich die Mannschaft in den vergangenen Jahren entwickelt, auch ohne das große Geld, mit dem sich so manch anderer Verein nach oben geschoben hat. Verantwortlich dafür: Markus Högner. Der Erfolgscoach, der sechs Jahre lang die Geschicke der SGS führte, hat dadurch jedoch Begehrlichkeiten geweckt. Neu-Bundestrainerin Steffi Jones wollte den erfahrenen Trainer unbedingt an ihrer Seite haben, und so ist es dann auch gekommen.

Der Neue an der Essener Seitenlinie ist Daniel Kraus, jünger, aber ebenso engagiert, offen und modern denkend. Der ehemalige Coach des FF USV Jena hat eine ähnliche fußballerische Philosophie wie sein Vorgänger – aber durchaus auch mit Unterschieden. Ballbesitz- und Dominanzfußball ja, aber bitte mit mehr Tempo und Vertikalbällen – auf Deutsch: mehr Zug zum Tor. Klar, dass das nicht von Anfang an so funktioniert wie gewünscht. Mal artete das Tempo in Hektik aus, mal war sein Team zwar lange in Ballbesitz, doch wieder einen Tick zu passiv. Jede Veränderung und Weiterentwicklung braucht eben ihre Zeit.

In der Tabelle knüpfte der Neue aber gleich an die Arbeit des Alten an: Die SGS Essen gehört ohne jeden Zweifel zur besseren Hälfte der Liga und rückt den Reichen sportlich immer näher. Umso ärgerlicher, wenn man wie beim Ligaspiel in Frankfurt bis zur Nachspielzeit mit 2:0 führt und dann innerhalb von zwei Minuten doch noch zwei Gegentore, sprich den Ausgleich, hinnehmen und auf zwei weitere Punkte verzichten muss. Um wirklich ein Spitzenteam zu sein, fehlt eben doch noch etwas.

Seit 2004 gehört die SGS zur Bundesliga, stieg damals aus der Regionalliga West auf, als es noch keine Zweite Liga gab.

Die Stars:
Unglaublich, aber wahr: Fast sieben Jahre musste Lisa Weiß warten, um nach ihrem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft das nächste Länderspiel folgen zu lassen. Dabei gehörte sie immer zum erweiterten Kreis, war 2009 schon im EM-Kader, der Gold holte und war auch 2016 beim Olympiasieger-Team, wenn auch nur auf Abruf, aber vor Ort dabei. Immer noch warten auf ihr Debüt muss dagegen Topstürmerin Charline Hartmann. Was sie kann, zeigt sie nicht nur regelmäßig in der Bundesliga, sondern auch beim »Weltklasse«-Turnier. 2015 »Beste Spielerin« und Torschützenkönigin, 2016 Platz zwei in der Torschützenliste.

Eine der besten der Welt auf ihrer Position ist zweifelsohne Linda Dallmann. Die torgefährliche Spielmacherin durfte deshalb auch nach dem Ende der Amtszeit von Silvia Neid endlich für die A-Nationalmannschaft spielen und – überzeugte. Dallmann wurde 2016 beim »Weltklasse«-Turnier zur »Besten Spielerin« gewählt, dazu war sie Dritte der Torschützenliste. Sie ist außerdem U 20-Weltmeisterin von 2014.

Apropos Welttitel. Den hat Kozue Ando 2011 mit Japan gewonnen. Sie ist die einzige Ausländerin im Kader der SGS. Weitere aktuelle Nationalspielerinnen sind Mittelfeldakteurin Sara Doorsoun und die offensive Rechtsverteidigerin Jacqueline Klasen. Auf dem Sprung dahin dürften über kurz oder lang auch Stürmerin Lea Schüller und die sowohl als Stürmerin als auch als Taktgeberin im Mittelfeld überzeugende Jana Feldkamp sein, beide Stammspielerinnen der U 20-Nationalmannschaft.

Größte Erfolge:
DFB-Pokal-Finalist 2014.
Bundesliga-Fünfter 2016, 2015, 2012, 2009.

Turnierbilanz in Jöllenbeck:
Einmal von Anfang bis Ende gut durchspielen, das dürfte das Ziel der Essenerinnen in diesem Jahr sein. Zweimal waren sie so nah dran am großen Coup. 2015 kombinierten sie sich souverän durch Gruppenphase und Halbfinale, aber im Endspiel hatten sie nichts mehr zuzusetzen, Bayer 04 Leverkusen gewann. Im vergangenen Jahr dann eine überragende Vorrunde. Sechs Siege in sechs Spielen – absolut rekordverdächtig. Aber dann war wieder Bayer 04 Leverkusen Endstation. Niederlage im Halbfinale und schließlich auch Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Turbine Potsdam – und der ganze tolle Eindruck der Gruppenphase war wieder dahin. Man darf gespannt sein, ob der neue Trainer Daniel Kraus das richtige Mittel findet, damit die SGS Essen einmal über das ganze Turnier hinweg ihre Stärken ausspielen kann.

2016: 4. 2015: 2. 2012: 5.