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Internationales Frauen-Hallenfußball-Turnier
um den Pokal der Sparkasse Bielefeld
14. und 15. Januar 2017

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AC Sparta Prag

Dušan Žovinec bastelt schon wieder an Lösungen, wie der tschechische Frauenfußball endlich den Anschluss an die Nationen finden kann, die regelmäßig bei Europameisterschaften dabei sein dürfen. Erneut ist Tschechien in der Qualifikation gescheitert, diesmal an der Schweiz und Italien. Dabei hat gerade die Schweiz gezeigt, wie es in einem kleineren Land mit wenigen Talenten gehen kann. Allerdings: Diese Lösung zu kopieren wäre für Žovinec schmerzhaft, denn alle starken Spielerinnen der Schweiz sind im Ausland aktiv, die meisten in der Bundesliga, und sind dort erst wirklich ausgebildet worden und gereift. Dummerweise ist Dušan Žovinec aber als Manager für die Frauen von Sparta Prag verantwortlich. Da kann man nicht einfach all seine Talente den ausländischen Klubs anbieten.

Leider gibt es in der heimischen Liga, egal was Dušan Žovinec und seine Kollegen in den vergangenen Jahren versucht haben, in der Spitze immer noch einen Zweikampf zwischen Sparta und Slavia. Ein Zweikampf auf hohem Niveau zwar, aber pro Jahr nur eine Handvoll Mal gefordert zu werden, reicht eben nicht, um gestärkt in die Champions League zu gehen und da einmal wirklich weit zu kommen – und auch nicht, um in Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft auf Augenhöhe mit den Vorbildern zu sein.

Apropos Champions League: In dieser Saison war für Sparta schon Endstation in der 1. Runde gegen den niederländischen Meister Twente Enschede. Dabei waren die Spartanerinnen, obwohl sie auf ihre beiden Stars, die Martínková-Zwillinge, verzichten mussten, im Auswärtsspiel zunächst dominant, aber im Abschluss einfach zu ungefährlich. In der heimischen Liga liefern sich die beiden Prager Traditionsvereine wie gewohnt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mit Kantersiegen über die anderen Konkurrenten und engen Spielen, knappen Resultaten gegeneinander. »Unser Wunsch wäre, zusammen mit anderen kleineren Nationen wie der Slowakei, Österreich, Polen eine eigene internationale Liga zu bilden, jeweils mit den zwei besten Mannschaften des Landes, damit alle in jedem Spiel richtig gefordert werden und sich weiterentwickeln können«, erklärt Dušan Žovinec. Mit den Vereinen in den Nachbarländern herrscht darüber Einigkeit, aber: »Die UEFA lässt das nicht zu.«

Neu bei Sparta ist inzwischen, dass auch ausländische Spielerinnen zum Kader gehören, um frischen Wind hineinzubringen, eine andere Mentalität und Talente. Seit dem Sommer gehört die ehemalige Leipzigerin Florin Wagner genauso zum Team wie die ukrainische Nationalspielerin Monika Ivanyshyn. Um in der Champions League weiterzukommen, reichten diese Verstärkungen aber nicht.

Drei Jahre hintereinander musste sich Sparta in der Liga am Ende dem Konkurrenten Slavia geschlagen geben. Zum Glück hat Tschechien in der Champions League zwei Startplätze, so dass beide Klubs zumindest dort regelmäßig gegen starke Kontrahenten antreten dürfen.

Die Stars:
Alles steht und fällt bei Sparta mit den Martinková-Zwillingen. Sie machen den Unterschied aus und verhelfen dem Team zu internationaler Klasse. Stürmerin Lucie ist inzwischen Tschechiens Rekord-Nationalspielerin, Mittelfeld-Akteurin Irena dafür Mutter. Weitere A-Nationalspielerinnen sind die hochgewachsene, aber technisch durchaus begabte Defensivspezialistin Adéla Odehnalová, eine der Topspielerinnen des »Weltklasse«-Turniers von 2015, Verteidigerin Petra Vyštejnová, Petra Bertholdová sowie Torwarttalent Alexandra Vaničková. Die eigentliche Nummer eins im Tor, Hana Sloupová, ist nach längeren Verletzungsproblemen zwar wieder gesund, aber wegen Schwangerschaft in Fußballpause.

Insgesamt stehen gleich fünfzehn Akteurinnen im Sparta-Kader, die schon für die tschechische A-Nationalmannschaft gespielt haben, dazu eine slowakische Nationalspielerin und eine Ukrainerin. Gerade die Slowakin Monika Matysová zählt mit ihren 35 Jahren und ihrer Auslandserfahrung (hat in Österreich gespielt) zu den Säulen der Mannschaft. Noch älter ist Iva Mocová. Als Stürmerin begonnen, dann als Außenverteidigerin eingesetzt, und mittlerweile wieder vorn – eine Spielerin, die Kampf und Siegeswillen verkörpert und neben dem Platz für gute Laune sorgt.

Größte Erfolge:
Tschechischer Meister 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2002, 2001, 2000, 1999, 1998, 1997, 1996, 1995, 1994.
Tschechoslowakischer Meister 1991, 1989, 1986, 1984, 1982, 1981, 1980, 1977, 1976.
Tschechischer Pokalsieger 2012, 2011, 2010, 2009, 2008.

Turnierbilanz in Jöllenbeck:
Es ist der achte Auftritt der Pragerinnen. Eine Mannschaft, die immer genau auf der Kippe zum Halbfinal-Einzug steht. Zweimal schafften sie schon den Sprung ins Halbfinale, 2015 scheiterten sie daran nur ganz knapp und wurden schließlich Fünfte mit einem frustgeladenen 7:1-Sieg über den norwegischen Vertreter Arna-Bjørnar Bergen. Unvergessen ihr Auftritt 2013, als sie im Spiel um Platz vier zwar Turbine Potsdam unterlagen, aber trotz des permanenten Rückstands richtig Gas gaben und dagegenhielten, so dass am Ende ein zuschauerfreundliches 4:10 dabei herauskam.
Bei ihrem Debüt 1999 taten sich die Pragerinnen mit dem damals für sie noch ungewohnten Hallenspiel schwer. Zudem verfügte das Team – noch vor der Gründung des UEFA-Pokals – über kaum internationale Erfahrung. 2006 war das schon ganz anders. Am ersten Tag stellten die Pragerinnen die Weichen schon mal auf Halbfinal-Kurs, und kaum einer hätte vor der letzten Partie am Einzug unter die besten vier gezweifelt. Und plötzlich verloren sie gegen den Zweitligisten FC Gütersloh, verpassten das Halbfinale und landeten schließlich auf dem siebten Platz. Es war der Auftakt zu besseren Zeiten.

2016 waren sie wieder ganz nah dran am Halbfinal-Einzug, verpassten diesen erst am zweiten Tag und mussten sich schließlich noch im Spiel um Platz fünf dem belgischen Vertreter RSC Anderlecht geschlagen geben.

2016: 6. 2015: 5. 2013: 4. 2012: 7. 2010: 4. 2006: 7. 1999: 7.