hg_li

Internationales Frauen-Hallenfußball-Turnier
um den Pokal der Sparkasse Bielefeld
14. und 15. Januar 2017

spk_re

SC Sand

Der SC Sand war zwar noch nie in Jöllenbeck, aber als Trainer Colin Bell seinen Spielerinnen beim Training erzählte: »Wir haben die Chance, beim »Weltklasse«-Turnier mit dabei zu sein. Was haltet ihr davon?“ Da ertönte es sofort „Ja! Ja! Ja!“ von all denen, die schon mal mit anderen Vereinen in Jöllenbeck waren oder die schon immer mal hinwollten. »Nach zwei Sekunden war die Sache entschieden«, so Colin Bell.

Der erfahrene Fußballlehrer ist erst seit Sommer in Sand, einem Ortsteil von Willstätt, in der Nähe der deutsch-französischen Grenze. Nächste Großstadt ist das französische Strasbourg, eine Stadt mit großer Geschichte. Willstätt kennt man schon länger vom Handball – der TV 08 Willstätt spielte von 1999 bis 2003 in der Herren-Bundesliga, ist inzwischen aber nur noch Oberligist. Den Ortsteil Sand allerdings, den hat der Frauenfußball erst überregional bekanntgemacht, zum ersten Mal 1996, als der der SC schon einmal in die – damals noch zweigeteilte - Erste Liga aufstieg, ein Jahr später aber wieder runter musste. Über Geld reden sie nicht viel in Sand, aber es muss schon einiges da sein, wenn man es sich leistet, phasenweise in zweistelliger Zahl internationale Nationalspielerinnen zu verpflichten.

2011 schien es mal so, als würde der SC Sand den Weg fast aller Dorfvereine gehen, runter in die Regionalliga. Doch nach einem Jahr waren sie wieder da in der 2. Bundesliga Süd und wurden immer stärker – und internationaler. Den Anfang machten einige Spielerinnen, die vom südbadischen SC Freiburg kamen. Aber aus der einstigen Freiburg-Kopie ist längst ein eigenständiges Team geworden, das nach dem Aufstieg 2014 den Klassenerhalt schaffte, weil es den unter der unerfahrenen Trainerin Inka Grings sportlich kriselnden einstigen europäischen Topklub MSV (ex-FCR) Duisburg hinter sich ließ – pikanterweise mit dessen ehemaligem Trainer Sven Kahlert. Auf Kahlert folgte Alex Fischinger, der das Team weiter zusammenschweißte und sportlich stärkte und durch einen Sieg über Bayern München bis ins DFB-Pokalfinale brachte. Dort unterlagen sie dem VfL Wolfsburg nur mit 1:2. In der Liga spielte der SC Sand sogar lange Zeit im oberen Mittelfeld mit, ehe ihm dann – vielleicht auch wegen der Pokal-Euphorie – ein wenig die Luft ausging.

Fischinger allerdings hörte nach dem Finale aus beruflichen Gründen auf. Wie gut, dass im Sommer plötzlich der erfahrene Colin Bell auf dem Markt war. Und der machte da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat. In der Liga ist zwar der Klassenerhalt nach wie vor das erste Ziel, aber der SC Sand hält nach wie vor Anschluss an die Topteams, fuhr beim 6:0 gegen den MSV Duisburg einen der höchsten Liga-Siege der Saison ein. Ein kompakt auftretendes Team, das schwer zu schlagen ist.

Die Stars:
Eine richtige Top-Spielerin gibt es beim SC Sand nicht, aber gleich mehrere Nationalspielerinnen »kleinerer« Länder. Dominika Škorvánková  zum Beispiel, die in ihrer Heimat, der Slowakei, schon mit 18 Jahren zur Fußballerin des Jahres gewählt wurde. Nina Burger ist eine der torgefährlichsten Spielerrinnen in der Geschichte Österreichs. Mit ihren Sander Teamkolleginnen Laura Feiersinger (ehemals FC Bayern München und Herforder SV) und Verena Aschauer (ehemals Herforder SV, BV Cloppenburg und SC Freiburg) wird sie ihr Heimatland im kommenden Sommer erstmals bei einer Europameisterschaft vertreten. Ebenso wie Linksverteidigerin Cecilie Sandvej, dänische Nationalspielerin. Eine wichtige Säule im Team ist die ehemalige Duisburgerin Anne van Bonn, sei es in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld. Aktuell bei der U 20-Weltmeisterschaft für Deutschland im Einsatz waren Torhüterin Carina Schlüter, eine gebürtige Ostwestfälin, und Jenny Gaugigl.

Größte Erfolge:
DFB-Pokal-Finalist 2016.
Bundesliga-Aufstieg 2014, 1996.

Turnierbilanz in Jöllenbeck:
Der SC Sand ist Neuling in Jöllenbeck, hat allerdings in Trainer Colin Bell, der mit dem SC 07 Bad Neuenahr gleich zweimal in Folge das Turnier gewonnen hat (2012 und 2013) und einigen Spielerinnen, wie den ehemaligen Herforderinnen Verena Aschauer und Laura Feiersinger, der ehemaligen Duisburgerin Anne van Bonn und Co-Trainer Claudia von Lanken (ehemals Hamburger SV) schon einiges an Turniererfahrung aufzubieten.